Entscheidungsthesen
Auch wenn wir täglich viele Entscheidungen treffen – Entscheidungen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Das ist bei großen Entscheidungen (Berufswahl, Wahl des Arbeitgebers, Wahl der Partner, Wahl des Wohnorts, etc.) genauso wie bei den vielen alltäglichen mittleren und kleinen Entscheidungen (Wahl des Urlaubsortes, Wahl des Verkehrsmittels, Wahl des Essens, Kleiderwahl, etc.). Meistens ist uns diese Komplexität nicht bewusst. Das ist wahrscheinlich auch gut so, weil wir sonst gar keine Entscheidungen treffen würden.
Für eine erste Orientierung habe ich deshalb hier die aus meiner Sicht wichtigsten Thesen zum Thema Entscheidungen zusammengestellt.

Du wirst immer wieder falsche Entscheidungen treffen
Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Es ist unmöglich, alle relevanten Informationen für eine Entscheidung zu sammeln. Insbesondere wenn Menschen beteiligt sind, kannst du nicht in ihre Köpfe reinschauen. Wenn du aber nicht alle Informationen hast, musst du Annahmen treffen. Und diese können immer falsch sein oder sich als falsch erweisen.
- Kein Mensch kann in die Zukunft sehen. Was heute als gesichert und richtig gilt kann schon morgen nicht mehr stimmen. Die Geschichte der Menschheit ist voller falscher Annahmen, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Deshalb kann sich eine Entscheidung, die nach heutigem Stand richtig ist schon morgen als eine Fehlentscheidung erweisen.

Für bessere Entscheidungen müssen wir verstehen, wie das Gehirn funktioniert
Entscheidungsprozesse finden im Gehirn statt. Wer verstehen möchte, wie die eigenen Entscheidungen zustande kommen muss verstehen wie das Entscheidungsinstrument funktioniert. Diese Eigenschaften des Gehirns beeinflussen deine Entscheidungen enorm:
- Begrenzte Vearbeitungskapazität: Die Informationen, die ein Gehirn gleichzeitig verarbeiten kann ist sehr gering. Im Alltag denken Menschen zu einem Zeitpunkt einen Gedanken. Wissenschaftler beziffern die Informationsmenge, die wir gleichzeitig im Bewußtsein halten können auf 5 bis 7 Einheiten.
- Vorgefilterte Informationen: Das Gehirn empfängt so viele Informationen gleichzeitig, dass es die relevanten herausfiltern muss. Zusammen mit der begrenzten Verarbeitungskapazität führt das dazu, dass wir Entscheidungen nur auf Grundlage der Informationen treffen, die es durch unsere ganzen Filter geschafft haben. Für bessere Entscheidungen müssen wir diese Filter kennen und lernen, konstruktiv damit umzugehen.

Rein rationale Entscheidungen sind für Menschen unmöglich
Bei der Bewertung von Informationen in unserem Gehirn spielt Erfahrung eine große Rolle. Das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien immer wieder. Die individuellen Erfahrungen jedes Menschen beeinflussen die Verarbeitungs- und Bewertungsprozesse im Gehirn und damit letztlich unsere Entscheidungen.
- Entscheidungen müssen im Alltag oft schnell getroffen werden. Wegen der begrenzten Verarbeitungskapazität unseres Gehirns dauert nachdenken länger. Für schnelle Entscheidungen müssen wir uns deshalb auf unsere Intution verlassen. Das „Bauchgefühl“ wird wesentlich durch unsere Erfahrungen geprägt, die dann in Form von Faustregeln handlungsleitend werden. Auch wenn die intuitiven Bewertungen oft richtig liegen stellen wir immer wieder fest, dass wir eine falsche Entscheidung getroffen haben, weil wir auf unser Bauchgefühl gehört haben.
- Menschen sind soziale Wesen. Die Bewertung von Informationen ist stark von den gelernten Werte der sozialen Gruppe(n) geprägt, zu denen wir uns zugehörig fühlen. Oft entscheiden wir uns entsprechend dieser Werte und Normen, ohne uns dessen vollständig bewusst zu sein – weil „man“ das halt bei uns so macht. Für das Überleben in der Gruppe hat sich das als Überlebensnotwendig erwiesen – eine rein rationale Entscheidung ist das allerdings nicht.

Entscheidungen müssen für uns und für andere nachvollziehbar sein
Die meisten unserer individuellen Entscheidungen haben Einfluss auf andere – mal mehr und mal weniger. Häufig ist es deshalb wichtig, dass wir anderen Menschen erklären können, weshalb wir eine Entscheidung getroffen haben. Für ein stimmiges Selbstbild ist es wichtig, dass Entscheidungen zu den eigenen Werten und denen der sozialen Gruppe passen.
- Entscheidungen, die für andere nicht nachvollziehbar sind führen zu Irritationen und müssen in der Regel erklärt werden – zumindest im direkten sozialen Umfeld. In politischen Diskursen oder glaubensbasierten Gemeinschaften scheint diese Regel allerdings weniger Gewicht zu haben.
- Passen unsere Entscheidungen nicht zu unseren Werten, dann (er)finden wir in der Regel eine Erklärung, die das Verhalten dann wieder plausibel und für uns nachvollziehbar macht. Auch hier spielen soziale und innere Anpassungsprozesse eine wichtige Rolle. Was nicht passt, wird von unserem Gehirn nachträglich passend gemacht.